Am 13.3.2011 hatte ich meine offizielle Wien Premiere.
Nach 2 mehr oder weniger erfolgreichen Vorpremieren war ich diesmal WIRKLICH nervös. Ich weiss nicht genau warum, aber es war so. Vielleicht lag es daran, dass ich das Programm derartig umgeschrieben habe?
Nach meiner 1. Vorpremiere habe ich mir ja das Video angesehen und fand es fürchterlich. War das da auf der Bühne wirklich ich? Benutze ich wirklich in jedem 3. Satz "Scheisse" oder ander Kraftausdrücke? Rede ich wirklich sooo grausslich?
Ich machte mir gleich eine Liste mit Punkten, die ich dringend ändern wollte.
Bei der 2. Vorpremiere in einem ganz, ganz intimen Rahmen (ein Tonstudio in Gars am Kamp vor 9 Leuten) lief es dann besser und ich spielte besser, benutze weniger Kraftausdrücke und die Pointen waren auch besser gesetzt.
Was mich besonders freute, war, dass ein Techniker und ein Tourbetreuer anwesend waren, die schon jahrelange Erfahrung in der Kabarettszene haben und die Anfangs ja sehr skeptisch über meine Bühnenpläne waren und nachher eigentlich fast begeistert waren.
Wie sagte doch anfangs der liebe Christian (Techniker für diverse Kabarettisten) "Wennst magst - ich arbeite mit einer Schauspielerin zusammen, die kann Dir ein bisserl helfen ..."
Der war nach der Vorstellung ziemlich still und lobte mich - so quasi "Das hätte ich von Dir nie erwartet."
So was baut auf. Und auch der liebe Michl (Tourbetreuer deluxe) war sehr von meiner Bühnenpräsenz angetan.
So was ist ganz, ganz wichtig fürs Ego.
Wir sind danch noch stundenlang zusammengesessen und haben über das Programm gesprochen und ich habe danach das Programm nochmals umgeschrieben und eine klare Linie hineingebracht.
Es ist ja faszinierend, wie Leute nach einer Vorstellung reagieren. Entweder sie lügen Dich an (war eh super) oder sie versuchen dir Tips zu geben.
Ich bin ja sehr dankbar drüber, aber ich denke mir oft "Wenn die Leute so gescheit sind und so viel wissen - warum haben wir so wenige Superstars in Österreich" Jeder ist ein kleiner Teamchef oder Musikexperte.
Bitte nicht missverstehen - ich bin sehr sehr dankbar über konstruktive Kritik, aber ... es ist so schwer zu erklären.
Z.B. bei den Witzen bzw. Pointen. Das eine Publikum findet das lustig, das ander Publikum das. Wie ein Freund, dessen Meinung ich sehr, sehr schätze meinte "Oida, du bist keine Witzeerzähler wie der Harald Schmidt - der hat jahrelange Routine und ein Heer von ca. 40 Witzeschreibern. Du bist mehr der Geschichtenerzähler. Konzentriere Dich auf deine Stärke."
Ich denke mir oft, wir manche Songs klingen würden, wenn die Bands auf die diversesten "Experten" gehört hätten und z.B. "Stairway to heaven" oder "Innuendo" auf die üblichen 3 1/2 Minuten gekürzt hätten.
Ich habe mir jetzt ein gewisses Arroganz-Schild zugelegt. Ich höre mir die Meinung der Leute an und bin weiterhin dankbar drüber, aber ich sage ihnen klipp und klar, wenn ich nicht ihrer Meinung bin. Komischerweise reagieren die meisten gar nicht böse drauf.
Vielleicht ist mein Weg ja gar nicht sooo falsch.
So - jetzt ist wieder mein altes Problem aufgetaucht - ich schweife immer wieder zu weit ab. Das war auch das Problem der Urversion des Programms.
Wo war ich stehengeblieben? (scroll scroll scroll)
Ah ja, die Nervosität vor der Premiere. Ich war diesmal wirklich nervös, aber als ich auf die Bühne ging und die Leute zum ersten Mal lachten war es wieder gut. Ein paar Mal habe ich Pointen verhaut, weil ich zu hektisch war, aber ich bin mir sicher das lerne ich noch mit der Zeit.
Der Schluss war ein Wahnsinn. Ich habe auf der Bühne mitbekommen, wie das Publikum tief Luft holte (ich liebe den Schluss - DAS erwarten ja die wenigsten) und dann nicht mehr zum klatschen aufhörte. Ich bekam zum ersten Mal bei diesem PRogramm so richtig einen Energieschwall vom Publikum und es war sehr, sehr geil.
Jetzt habe ich mich für 2 Kleinkunstpreise angemeldet und bin ein bisserl zu spät dran gewesen - bin aber auf der Warteliste auf Platz 1. Hoffen wir mal das Beste.
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